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EBICS auch in der unternehmensinternen Kommunikation nutzen

Bereits seit 1995 können Unternehmen in Deutschland dank des DFÜ-Abkommens (Schnittstellenspezifikation über die Datenfernübertragung zwischen Kunde und Kreditinstitut) den Zahlungsverkehr über ein Standardprodukt mit elektronischer Signatur mit jedem Kreditinstitut sicher abwickeln. Der auf ISDN-basierte FTAM-Standard (File Transfer, Access and Management) wurde bis 2010 im Zahlungsverkehr unterstützt. Seit der Änderung der technischen Anlagen des DFÜ-Abkommens, zur Unterstützung der internetbasierten Kommunikation zwischen Unternehmen und Kreditinstituten wurde der Zahlungsverkehr sukzessive auf EBICS umgestellt.

EBICS hat sich in den vergangenen Jahren als sicherer Standard für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Banken etabliert. Neben Deutschland gilt EBICS mittlerweile auch in Frankreich als Standard. Darüber hinaus stellen weitere Länder, wie beispielsweise die Schweiz auf eine Kommunikation über EBICS  um. Auch in Ländern, in denen EBICS noch nicht zum Standard erklärt wurde, sind viele Banken darüber erreichbar.

Vor und Nachteile von EBICS

Neben einer sicheren Transportverschlüsselung nutzt der EBICS-Standard eine Verschlüsselung der Nutzdaten. Diese Verschlüsselung basiert auf einem Hybrid-Verfahren, sprich: einer symmetrischen Verschlüsselung deren Schlüssel mit einem asymmetrischen Schlüssel (RSA) geschützt wird. Auch wird durch das EBICS-Verfahren die fachliche Freigabe mittels elektronischer Unterschrift unterstützt. Über die Möglichkeit der verteilten Freigabe sind die Unternehmen flexibler und ortsungebundener. Geschäftsführer können bspw. Zahlungsaufträge via Smartphone autorisieren.

Allerdings hat die Sicherheit ihren Preis: Die vertragliche Umsetzung mit den Banken inkl. der berechtigten Personen sowie der Initialisierungsprozesse zum Austausch der Schlüssel für Authentifizierung, Verschlüsselung und fachliche Autorisierung ist recht mühsam. Insbesondere bei Unternehmen mit vielen Unterschriftsberechtigten und vielen Konten kann die Administration sehr aufwendig werden. Die Kosten der Banken dafür werden dem Firmenkunden über Einrichtungspreise und monatliche Nutzungsgebühren in Rechnung gestellt. Dies ist ein Grund dafür, warum sich der Standard nur für größere Unternehmen lohnt.

Möglichkeiten des Einsatzes auch innerhalb von Unternehmen

Es stellt sich somit die Frage: wie kann man die Vorteile vollständig nutzen und die Nachteile reduzieren?

Die Lösung könnte z. B. ein zentrales Banking-Gateway auf Seiten des jeweiligen Unternehmens sein. Dieses Gateway dient zunächst der Anbindung von Banken. Dabei ist nicht zwingend eine Kommunikation via EBICS notwendig, auch alternative Kommunikationsverfahren wie SWIFT, Host-to-Host, SFTP, etc. können genutzt werden. Das zentrale Banking-Gateway agiert unternehmensintern wiederum als EBICS-Server, an das sich weiterverarbeitenden Back-End-Systeme anschließen lassen.

Kontoinformation und andere von der Bank bereitgestellte Dateien werden einmal vom Unternehmen abgeholt und den verarbeitenden Back-End-Systemen zur Verfügung gestellt. Dies kann entweder unverändert oder in einem harmonisierten, für das jeweilige Back-End-System vorbereiteten Format, erfolgen. Die Kommunikation zwischen dem Banking-Gateway und den Back-End-Systemen erfolgt mittels EBICS.

Neben der Weitergabe der bankspezifischen Dateien kann EBICS auch zum Austausch von beliebigen Dateien und Informationen innerhalb des Unternehmens genutzt werden. International agierende Unternehmen können so z. B. sensible Daten sicher über das Internet austauschen. Unabhängig davon, welches Dateiformat zum Einsatz kommt oder um welche Informationen es sich handelt – die Dateien werden end-to-end sicher transportiert.

Vorteile der unternehmensinternen Nutzung von EBICS

Unternehmen können durch den internen Einsatz von EBICS die Kommunikationskanäle zu den Banken reduzieren. Die Banken müssen die  Kontoinformationen nur einmal zur Verfügung stellen und nicht für mehrere Kanäle. Damit entsteht eine Single-Source: Unterschiede in der Bereitstellung auf verschiedenen Kanälen der Banken werden ausgeschlossen.

Ausgehende Zahlungen können im Unternehmen zentral gesammelt und an die Banken versenden werden. Somit besteht die Möglichkeit, die Unterschriftberechtigungen zu zentralisieren und deren Anzahl zu vermindern. Durch eine sinkende Anzahl der unterschriftsberechtigten Personen sinkt auch die Administration von Bedingungswerken auf Seiten des Unternehmens und der Banken. Zudem können interne Freigaberegeln optimiert werden.

Neben vielen Vorteilen an der Schnittstelle zur Bank kann sich die Nutzung des EBICS-Standards auch innerhalb des Unternehmens positiv auswirken. Die Konvertierung von Dateien kann zentral gesteuert werden. Alle Back-End-Systeme erhalten Dateien und Informationen über EBICS, bzw. können diese auch zurückspielen. Somit ist es möglich, Abläufe stärker zu automatisieren.

Mit EBICS setzt ein Unternehmen auf eine zukunftssichere Kommunikation: der Standard wird von der Kreditwirtschaft permanent weiterentwickelt. Zudem kommen europaweit immer mehr Banken als Akzeptanten hinzu.  Seit dem die EBA Clearing EBICS als zweiten Kommunikationsweg neben SWIFT implementiert hat, erkennen immer mehr Kreditinstitute den Vorteil des Verfahrens.

Weitere Informationen zu EBICS sind unter den nachfolgenden Links zu finden:                                                          

https://www.ebics.de/startseite/

https://www.zentraler-kreditausschuss.de/ebics-verfahren/

https://de.wikipedia.org/wiki/Electronic_Banking_Internet_Communication_Standard

https://www.six-interbank-clearing.com/de/home/standardization/ebics.html

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