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Mobiles Bezahlen

Wenn jedoch die echten Profis über mobiles Bezahlen schwärmen, dann geht es eher um die Bezahlung mit dem Smartphone. Oder einen Chip am Handgelenk und demnächst – Achtung, keine Zukunftsmusik – mit dem Chip unter der Haut.

Diese Art der Zahlung ist in jedem Fall bargeldlos, kommt aber nicht ohne die Infrastruktur der Banken und Kreditkartengesellschaften aus, denn die Daten von Konten, Karten oder sogenannten Tokens sollen in den Tiefen des Telefons liegen und werden für die Bezahltransaktion benötigt. Wo diese Daten genau liegen sollten, wo sie vor allem sicher vor dem Zugriff Dritter liegen und wer für die Lagerung der Daten vom wem Gebühren verlangen darf, damit beschäftigen sich besser die Menschen, deren fachliche Leidenschaft diesem Thema gilt.

Aus meiner Sicht hat diese technische und rechtliche Diskussion nichts mit der Aussicht auf Erfolg von mobilen Bezahlsystemen zu tun, denn wie der Kunde auch immer bezahlt, es ändert sich für ihn nichts. Er hat eine Ware und weniger Geld – egal welches Zahlsystem er nutzt. Wenn sich aber für einen Menschen im Grunde nichts ändert, dann wird eine alternative Methode nicht in sein Gewohnheitsrepertoire übergehen. Das gilt im Übrigen nicht nur für das Bezahlen per Smartphone, sondern auch für viele andere scheinbar innovative Technologien. Kommt die Technologie nicht im Gewohnheitsrepertoire der Nutzer an, könnte die tollste Innovation zum Rohrkrepierer werden.

Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um zwei regelmäßige Gäste bei erfolgreichen Umsetzungsprojekten auf die Bühne zu bitten: Kundennutzen und Kundenmehrwert. So habe ich von den Profis gelernt, dass Prepaid-Zahlsysteme auf dem Smartphone sicherlich keine Zukunft haben. Die Geldkarte war doch auch so ein Flop-Projekt der Deutschen Kreditwirtschaft. Ich selber nutze als bekennender Starbucks-Fan die Bezahl-App dieser Kaffeebude. Mehrwert: Jeder 15. Kaffee und jeder Extra-Espresso sind gratis. Dann noch einer zum Geburtstag und so einiges mehr. Läuft! Läuft vor allem auf jedem mobilen Betriebssystem.

Wenn ich nun bei einem Umtausch nicht meinen Kassenbon zeigen müsste, sondern die Bezahl-App ausreicht, wäre wieder ein Mehrwert geboren. Sofern im Hintergrund alle Bonus-Systeme in einem Rutsch berücksichtigt werden – also bei REWE die aktuellen Sammelpunkte, gleichzeitig Payback und bei der Klamottenkette deren Bonus-System – habe ich einen Mehrwert. Die Fortführung der Liste überlasse ich nun denen, die dafür Tagessätze in Rechnung stellen können.

Aktuell sehe ich jedoch eine weitere Achillesferse auf dem Weg zum mobilen Bezahlen: Wenn ich heute an einem Geldautomaten der Deutschen Bank einen Fünfziger von meinem Konto abbuche, dann darf ich damit in jedem Laden bezahlen. Egal, ob dieses Geschäft Kunde bei der Deutschen Bank ist oder nicht. Wenn nun aber jeder Händler seine eigene App auf den Markt bringt, damit ich dort meine Vorteile nutzen kann, dann brauche ich am Ende für jeden Händler eine App. Bei einer Handvoll Lieblingsläden mag das noch vorstellbar sein. Oder ich nutze die App einer Bank, so wie die gerade entstandene App der Deutschen Bank. Dann verzichte ich auf die Mehrwerte, kann aber mobil, kontaktlos und bis 25 Euro sogar ohne Pin bezahlen. Auch nicht so optimal. Zumal hier der nächste Hype-Breaker auftaucht: Die App funktioniert nur mit Android. Apple gibt die NFC-Schnittstelle nicht frei, denn bei Apple möchte man ja alleine den Zahlungsverkehr über das iPhone abbilden. Das finden aber die meisten Banken nicht witzig, denn Apple will von dem jüngst kleiner gewordenen Gebührenkuchen ein ordentliches Stück abhaben.

Ich mache jetzt mal auf trotziges Kind und schmeiße mich mit beiden Armen trommelnd auf den Boden vor dem Kassenbereich (nein, das habe ich als Kind nicht so gemacht). Ich will eine einzige App, mit der ich bezahlen kann, mit der ich in Zukunft in „Instant-Geschwindigkeit“ Geld auch an meine Buddys übertragen kann, ohne deren IBAN zu kennen. Ich will dies auf allen Geräten können und mir dafür nicht ein neues Smartphone kaufen müssen. Ich will unterschiedliche Konten und Karten in diese App integrieren, auch von mehreren Banken. Ich will mir im App-Shop des Anbieters von diversen Händlern deren Mehrwertsystem hinzubuchen können und nie wieder auf einen Kundenbindungs-Punkt verzichten müssen. Ja, ich will diese Eierlegende-Wollmilchsau-Bezahl-App. Sonst bezahle ich weiter in bar!

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