Expertenplattform für den  Europäischen Zahlungsverkehr

Instant Payments – der Türöffner für Innovationen im Zahlungsverkehr

Hintergrund

Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Euro Retail Payments Board (ERPB) haben gemeinsam die Zahlungsindustrie aufgefordert eine angemessene Instant Payments (IP) Infrastruktur zu schaffen, die es ermöglicht rund um die Uhr Zahlungen in Echtzeit durchzuführen. Damit soll die Grundlage für „bargeldloses Bargeld“  gelegt werden und sofortige Zahlungen nicht nur ermöglicht werden, wenn sich Menschen gegenüberstehen. Es werden auch Echtzeitzahlungen über die Grenzen von Europa hinaus oder gar weltweit möglich sein. Die meisten der bisherigen Überlegungen waren von den technischen, organisatorischen und finanziellen Faktoren geprägt. Wir verzichten heute auf diesen Aspekt der Diskussion und setzen an dieser Stelle eine bereits gegebene Infrastruktur voraus und möchten vielmehr auf die daraus resultierenden Möglichkeiten und Business-Chancen für Nutzer und Unternehmen eingehen. Unter dem Slogan „Geld so schnell wie eine E-Mail zu schicken“, wollen wir eine Vision für die Zukunft zeigen.

Schaffung neuer Dienste

Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die Ausgestaltung neuer Dienste, die einen Mehrwert für Anbieter und Anwender schaffen können. Die Initiative Europas, eine Infrastruktur für IP zu schaffen, hat gleichzeitig z.B. die USA unter Druck gesetzt und zu der gleichen Maßnahme gezwungen. So reagierte die Regierung Amerikas kurzerhand und veranlasste eine Modernisierung ihrer eigenen Infrastruktur, damit neue Dienste, Wachstum und Arbeitsplätze vorangetrieben werden, um mit Europa wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bisher wurde aber fast ausschließlich nur über die Einführung von mobilen Person-to-Person-Zahlung (mP2P) diskutiert. Wir betrachten hier mP2P zwar als einen ersten guten Schritt in die richtige Richtung, sehen das aber nicht als den einzigen Nutzen von IP, sondern nur den Beginn einer ganzen Reihe neuer Möglichkeiten. In der Tat wird mP2P bereits in der konventionellen Zahlungsinfrastruktur eingesetzt. Beispiele dafür sind PayPal oder Venmo, die es schaffen, ohne eine gegebene IP-Infrastruktur mP2P zu betreiben und zudem sehr erfolgreich sind. Hier sollen weitere, neue Dienste diskutiert werden, die zwar mit mP2P beginnen aber nicht enden.

Anfänge durch Mobile Peer-to-Peer-Zahlungen

Zu Beginn sollten wir festhalten, dass z.B. PayPal, PayM usw. eine sofortige Verfügbarkeit der Geldmittel gewährleisten, aber nur innerhalb ihres eigenen Systems. Möchte man beispielsweise seiner Tochter Geld schicken, damit sie im Supermarkt den Einkauf unmittelbar bezahlen oder das Geld am Geldautomaten abheben kann, wird das (noch) nicht funktionieren. Zum einen liegt das an den nicht vorhandenen Akzeptanzstellen von PayPal oder PayM und zum anderen an der nicht vorhandenen IP-Infrastruktur.

Bargeldreduktion ist zwar nicht Thema unserer Diskussion und soll in diesem Text nicht behandelt werden. Die Tatsache, dass beispielsweise in Deutschland ein sehr großer Prozentsatz (ca. 87%) der Person-to-Person-Zahlungen nach wie vor in bar abgewickelt wird, verdeutlicht den Handlungsbedarf und Notwendigkeit der Einführung von IP.

Dabei geht aus einer Marktanalyse des ERPB hervor, dass es in Europa bereits 50 mP2P-Lösungen existieren. So hat der ERPB eine Initiative ins Leben gerufen und versucht diese 50 Lösungen europaweit durch Schaffung der IP-Infrastruktur zu vernetzen. Es wäre dann möglich, dass ein Vater in Deutschland seiner Tochter in Paris Geld schicken kann, während sie noch im Café sitzt und das Geld für die Bistrorechnung benötigt. Das Geld wäre binnen von Sekunden vorhanden, die Tochter könnte direkt darüber verfügen und die Rechnung begleichen. Dieser Vorgang würde gleichzeitig neue Chancen für die Anbieter von Zahlungsdienstleistungen bieten, entsprechende Bezahl-Apps für die Kunden zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen.

Ein anderes Beispiel zeigt weitere Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Dienste. Die Rückzahlung eines Betrages von einem Arbeitskollegen aus Großbritannien für ein Mittagsessen würde eine Währungsumrechnung erfordern. Das Gebiet des Devisenmarktes (FX) ist ein attraktives Geschäftsfeld und bedarf einer effizienten und internationalen Lösung. Mit IP können neue FX-Dienste angeboten und neue Geschäftsideen für die Anbieter entwickelt werden. Schließlich ist der Schritt einer über Europa hinausgehenden Einführung von IP nur eine Frage der Zeit und sehr wünschenswert. Folglich würde eine Verbindung von Europas mP2P mit dem US-amerikanischen Zahlungsdienstleister Venmo einem Vater ermöglichen eine finanzielle Lücke seiner Tochter in Amerika zu schließen, indem er ihr umgehend den benötigten Betrag für eine kurzfristig entstandene Rechnung bereitstellt.

Noch wichtiger ist der Zugang zu dem riesigen und sehr rentablen Markt des weltweiten Geldtransfers, dessen Volumen die Weltbank auf rund 583.000.000.000$ schätzt, die jährlich rund um die Welt transferiert werden. Insbesondere sind es Wander- und Gastarbeiter, die ihren Familien auf der ganzen Welt Geld schicken, und das fast ausschließlich in bar mittels Bargeldtransfer. Dies wird mittels der zunehmend weltweiten Verbreitung von IP deutlich billiger und schneller.

Der Großteil der Weltbevölkerung ist mittlerweile mit einem Mobiltelefon ausgestattet und könnte die Zahlungsabwicklung durch die mobile Person-to-Person-Bezahlung elektronisch-effizient, moderner und schnellerer machen. Es würde nicht nur den Wander- und Gastarbeitern und deren Familien einen Vorteil bringen, sondern auch neue und enorme Geschäftsmöglichkeiten für neue Dienstleistungen, neben den klassischen Bargeldüberweisungen, bieten. Wir können hier bereits festhalten, dass mP2P ein ausgezeichneter Anwendungsbereich ist und eine Basis für vieles mehr.

Fallstudie: Indien – mP2P und IP

In einigen Ländern der Welt finden wir bereits die ersten IP-Modelle. Neben Großbritannien und Schweden wurde IP im Rahmen der National Payments Corporation of India (NCPI) und der Regierung in Indien eingeführt. Dieser Schritt führt zu finanzieller Inklusion und Modernisierung der Gesellschaft in Indien, obwohl das Volumen der Transaktionen bei weitem noch nicht so hoch ist wie in Europa. Jeder Bürger bekommt von der Regierung eine eindeutige Nummer („Aadhaar“) zugewiesen und kann in nahezu jedem Dorf eine Person-to-Person-Zahlung durchführen. Die Adressierung des Empfängers erfolgt entweder über Aadhaar oder einer anderen, eindeutigen und unverwechselbaren Adresse wie Bankkonto, E-Mail oder Telefonnummer. Dies ermöglicht einen bequemen Weg für den Arbeiter das Geld nach Hause an seine Familie in einem ländlich abgelegenen Dorf zu schicken oder einen Taxi-Fahrer in Echtzeit und bargeldlos zu bezahlen. Die Authentifizierung geschieht mittlerweile über den Fingerabdruck und es wird sogar zukünftig über eine Iriserkennung diskutiert.

Über P2P hinaus schauen – P2B

Wie oben bereits erwähnt bilden die Überlegungen im P2P-Bereich nur die Grundlage für weitere Ideen und Geschäftsmodelle. Ein weitaus größeres Potenzial finden wir in der Betrachtung der Person-to-Business-Zahlungen, da dort mehr Transaktionen und größere Volumina transferiert werden. So wäre es denkbar, dass eine Person eine wohltätige Spende von Zuhause aus durch das Anlegen seines Mobiltelefons an die Set-Tp-Box oder durch das Scannen eines QR-Codes vom Fernseher tätigen kann. Auch den Handwerker oder den Babysitter mit einer auf der IP-Infrastruktur basierenden App könnte man nun bezahlen. In Schweden ist es bereits möglich, die Spenden in der Kirche elektronisch zu bezahlen. Und in Großbritannien wurde die Grenze des kontaktlosen Bezahlens zwar auf 30£ angehoben, um beispielsweise in einem Kiosk den gesamten Einkauf in einem Vorgang bezahlen zu können, aber die Zukunft der mobilen Bezahlung wird langfristig nicht mehr tap-and-pay sein, sondern bald schon app-and-pay.

Folglich werden wir in der Praxis erst die Einführung von IP im Bereich-P2P zu sehen bekommen, dann die Einführung über P2b (kleine Händler) bis hin zu P2B (große Händler). Betrachten wir die heutigen Lösungen im P2B-Bereich, speziell am Point of Sale (PoS), werden wir feststellen, dass diese Bargeld oder kartenbasiert sind. In Zukunft werden wir diese Bezahlmethoden nicht mehr alleine wiederfinden. EC-Kartenlesegeräte im Supermarkt werden zum Beispiel durch Tablets ersetzt und die zugehörige Zahlung wird vollkommen friktionsfrei durch eine App abgewickelt. Weiterhin werden viele neue Lösungen dazu kommen, die unser alltägliches Bezahlen noch schneller, bequemer und effizienter machen werden. Aus Sicht des Händlers werden Zahlungen umgehend auf seinem Zahlungskonto eingehen und das Risiko einer Nichteinlösung reduziert sich enorm, da die Zahlungen unwiderruflich sind. Eine Win-Win-Situation für beide Parteien.  Derzeit finden wir bereits vereinzelt Zahlungslösungen wie z.B. in den App-Stores von Apple oder im Amazon-Go-Store, die allerdings nur in den jeweiligen Shops eingesetzt werden können. Doch schon bald, insbesondere nach der Einführung von IP, können wir mit interessanten, innovativen und homogenen Zahlungslösungen rechnen. Es ist auch davon auszugehen, dass es über eine generische Lösung hinaus, auch spezifische Lösungen für unterschiedliche Branchen entstehen können.

Instant Payments und Payment Services Directive 2 – der Katalysator für Innovationen

Unseren Gedanken, wie IP bestimmten Branchen zugutekommen kann, haben wir oben verdeutlicht. Zeitgleich zur Einführung von IP soll die Payment Services Directive 2 (PSD2) umgesetzt werden. Die PSD2 tritt am 13. Januar 2018 rechtsverbindlich in Kraft und erlaubt es Drittanbietern (TPP) Zahlungsdienste anzubieten, indem sie eine Zahlung direkt von dem Bankkonto (PIS) des Zahlers auslösen können und/oder die Verwendung der Daten direkt vom Bankkonto (AIS) beziehen dürfen. Details zu dem verbindlichen Zugriff auf Zahlungskonten durch Dritte sind allerdings noch nicht geregelt und werden erst später erfolgen. Durch den rechtlichen Rahmen der PSD2 wird es nahezu jedem FinTech und Fin-Pay ermöglicht, neue Zahlungslösungen zu entwickeln. So können nicht nur Banken ihre eigenen Apps anbieten, sondern auch andere Entwickler, die nun die Möglichkeit haben werden, auf die Bankkonten der Nutzer zuzugreifen. Konkret heißt es, es wird mit der PSD2 ein rechtlicher Rahmen geschaffen und zeitlich parallel dazu die IP Infrastruktur errichtet. Bessere Bedingungen für die Entwicklung neuer Dienste kann es kaum geben. Es entsteht also ein Spielfeld für Entwickler und Anbieter, die ihre Ideen umsetzen können und wir als Anwender uns auf die vielfältigen Lösungen freuen dürfen. Ähnlich wie die App-Stores für Smartphones entstanden sind, sollen aus der Intelligenz einer breiten Masse neue Lösungen gefunden werden.

Ein Beispiel in diesem Bereich sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Denn der Verkauf von Fahrtickets ist ein sehr großer Geschäftsbereich, jedoch deren Bezahlung nach wie vor komplex. Als Beispiel können wir den Transport for London (TfL) heranziehen. In London kann man eine Oyster-Prepaid-Karte erwerben, mit der man Tickets für den Personennahverkehr innerhalb Londons bequem bezahlen kann. Gleichzeitig speichert die Oyster-Card die gekauften Fahrten und errechnet am Ende des Tages die günstigste Alternative, dann erfolgt erst die Bezahlung. Oyster ist in den letzten 10 Jahren sehr erfolgreich gewesen. Neuerdings auch mit normaler kontaktloser Bankkarte anstatt Oyster. Der nächste Schritt wird sein, mit einer durch FinTechs (TPP) entwickelten App die Fahrten zahlen zu können. Zumal die Fahrten in der App auch grafisch aufbereitet und dokumentiert werden könnten. Es entsteht ein Mehrwert und TfL kann sich auf seine Kernkompetenz, den Transport, fokussieren, während die FinTechs eine Zahlungslösung entwickeln, um gemeinsam noch erfolgreicher zu werden. Während die Einführung der Oystercard oder der Umstieg auf das kontaktlose Bezahlen noch aus der Not heraus entwickelt wurde, entsteht jetzt ein „Level Playing Field“ und eine Vielzahl von Akteuren wird Services und Ideen für den nächsten Schritt entwickeln, während TfL sich auf das eigene Kerngeschäft – das Betrieben von U-Bahnen und Bussen - konzentrieren und dieses ausbauen kann.

Aus der Kombination von IP und PSD2 können sich sehr interessante und vielfältige Lösungen entwickeln, wie wir bereits gesehen haben. Die PSD2 stellt den rechtlichen Rahmen dar und reguliert somit die TPP, während mit IP weitere Möglichkeiten entstehen, wie die Zahlungen durchgeführt werden können. Auf der einen Seite haben wir die Sicherheit im Zahlungsverkehr durch die PSD2 und auf der anderen die schnelle Ausführung der Zahlung durch IP – eine perfekte Ergänzung.

Weitere Anwendungsfälle durch IP

Die aufgeführten Beispiele zeigen im Grunde nur eine Erweiterung zu bereits bestehenden Geschäftsmodellen, denn die Bezahlung eines Transporttickets mit dem Smartphone ist immer noch dasselbe wie der Kauf eines Papiertickets am Schalter, nur in dem Fall elektronisch. Auch das Auszahlen des Taschengeldes von einem Vater an seinen Sohn durch das Mobiltelefon ist mit der Ausgabe eines Geldscheines in bar konzeptionell sehr ähnlich. Mit dem Blick auf die Länder, die bereits IP eingeführt haben, könnte man den Eindruck bekommen, dass sie ihre Zahlungen nach wie vor genau so machen, nur viel schneller. Deshalb wollen wir hier weitere und vor allem neue Anwendungsfälle diskutieren, die durch das IP komplett neu entstehen können.

Wir schauen zuerst auf die Versicherungsbranche und stellen uns vor wir wären in einem Skiurlaub auf der Skipiste. Vor der Abfahrt entschließen wir uns eine Unfallversicherung gegen Knochenbrüche und andere Unfallschäden abzuschließen. In der heutigen Zeit ist das noch nicht möglich, denn der Versicherungsschutz greift rechtlich erst, wenn das Geld auf dem Bankkonto der Versicherungsgesellschaft eingegangen ist und das dauert in der Regel einige Tage. Mit IP wäre das allerdings kein Hindernis mehr. Wir könnten Versicherungen binnen von Sekunden abschließen und im Anschluss daran, unfallversichert die Skipiste herunter fahren. Weiterhin ist denkbar, eine Versicherung abzuschließen, wenn wir z.B. unseren Oldtimer verleihen wollen und diesen gegen Unfallschäden absichern möchten. Wir gehen davon aus, dass genau solche spontanen Extraversicherungen im P2B-Bereich aufgrund von IP entstehen und einen neuen Markt eröffnen werden.

Ebenso kann die Versicherungsbranche aus der B2P-Sicht betrachtet werden, also umgekehrt. Im Falle eines Hausbrandes kann die Versicherungsgesellschaft dem Versicherten das Geld sofort und in Echtzeit auszahlen lassen, damit die Familie ein Hotel zur Unterkunft beziehen oder bereits erste Reparaturen des Hauses veranlassen kann.

Eine weitere Anwendung von IP im B2P-Bereich entwickelt sich derzeit in Großbritannien. Dort wird erprobt, die Arbeitnehmer an einem Freitag auf der Basis der tatsächlich geleisteten Stunden direkt zu bezahlen. So sind für die Lohnbuchhaltung keine Nachkorrekturen mehr von Nöten. Der Lohn wird nicht mehr nachträglich entrichtet und die Arbeitnehmer können zum Wochenende direkt über ihren Arbeitslohn verfügen.

Wenn wir über die Finanzbranche hinaus schauen, wird es vermutlich eine Vielzahl neuer Anwendungen geben, die mit der Einführung von IP entstehen werden. Die Prozesse und Bezahlungen z.B. in der Lotterie- und Glücksspielbranche werden erleichtert, indem das Geld zuverlässig und unwiderruflich auf dem Bankkonto eingeht, bevor die Wette platziert worden ist. Dies wird den Betrug in diesem Bereich erheblich reduzieren und die durch Zahlungstransaktionen verursachten Kosten senken.

Wir haben in der Computerspiel-Industrie eine Entwicklung erlebt, die es uns gezeigt hat, wie gefragt IP sein kann, als die In-Game-Währungen (z.B. Facebook-Credits, World of Warcraft-Gold, Simoleons usw.) entstanden sind. Plötzlich entwickelten viele Computerspiele-Anbieter ihre eigenen Lösungen, da sie gesehen haben, dass man mit diesem Modell auch Geld verdienen kann. So eine oder so ähnliche Entwicklung können wir nach der Einführung von IP auch in diesem Bereich erleben.

Werfen wir einen Blick auf den Kreditvergabeprozess einer Bank, finden wir dort schwerfällige Abläufe, die teilweise über einen Monat dauern können. Mit IP könnte der Vorgang nicht nur beschleunigt, sondern auch vereinfacht werden. Eine Bonitätsprüfung wird zunehmend durch neue Echtzeit scoring  und KI Verfahren verkürzt und die tatsächliche die Auszahlung des Kredits an den Kunden nun in wenige Sekunden erfolgen. Der Kunde kann somit in Echtzeit auf das Geld zugreifen und die geplanten Investitionen tätigen.

Business-to-Business-Zahlungen

Bisher haben wir einige ausgewählte Szenarien im P2P, P2B und B2P durchgespielt. Nun widmen wir uns dem B2B-Bereich, der einen viel größeren Markt darstellt als der Massenzahlungsverkehr. Der Einzelhandel ist der Fokus der meisten Konferenzen, Fachartikeln und Diskussionen, da sich dort viele spannende Themen finden (Biometrie, Cybercurrency usw) jeder täglich in Kontakt zu persönlichen Bezahlen steht und folglich die Zusammenhänge leichter nachvollziehen kann. Trotz der großen Anzahl der Transaktionen im Einzelhandel, wird aber mit grossem Abstand das größte Geld-Volumen im B2B-Bereich (Regierungen, Unternehmen, Lieferanten usw.) transferiert. Wir glauben deshalb auch, dass der wesentliche Nutzen von IP sich in den B2B-Transaktionen erkennen lassen wird. Nicht nur weil dieses Marktvolumen viel größer ist, sondern vor allem auch, weil Ineffizienzen beseitigt und Geschäftsprozesse optimiert werden können.

Beispiele sind:

  • IP kann das Liquiditätsmanagement und die Kreditorenbuchhaltung entlasten. Anstatt zu planen wann Zahlungen eingehen und das Unternehmen wieder genügend Mittel verfügt, um weitere Ausgaben zu tätigen, werden die Zahlungen sofort durchgeführt. Dies erleichtert das Treasury und working capital management.
  • IP würde es ermöglichen, die Just-in-time-Produktion noch effektiver zu machen. Sobald die Lieferung der Ware in der Produktionshalle eingetroffen ist, könnte sie direkt bezahlt werden. Das bedeutet eine massive Verringerung der Abstimmungsverfahren von Aufträgen und Lagerbeständen. Also nicht nur Just-in-time Produktion, sondern auch Just-in-time Money.
  • IP kann es ermöglichen Rechnungen zu einer optimalen Zeit zu bezahlen, anstatt zu einer Zeit die von Clearingstellen abhängig ist. So wird man Rechnungen später zahlen um das Working Capital aufzubessern oder früher zahlen um Rabatte zu bekommen. Dies erlaubt z.B. die volle Nutzung von Dynamic Discounting für capital-rich buyers und capital-poor suppliers zum Vorteil beider Seiten (Besteller bekommt Ware günstiger, Lieferant bekommt sein Geld sofort).
  • Rechnungen und Zahlungen können sofort abgestimmt werden. Schiffsversicherungen können sofort bezahlt werden, damit die Fracht den Hafen pünktlich verlassen kann.

Mit diesen nur wenigen Beispielen kann man bereits erahnen, dass es mit der Einführung von IP Änderungen in den Geschäftsprozessen geben wird und die Prozesse sich nachhaltig verbessern werden. Sehr interessant ist insb. die Betrachtung des B2B-Marktes aus Sicht der Zahlungsdiensteanbieter. Die Geschäftskunden stellen einen attraktiven und rentablen Nutzer der Dienste dar, die eine enorme Summe an Geldern transferieren und bei denen viele konkrete wirtschaftlich Vorteile geschaffen werden können.

Fazit

Mit IP schaffen die EZB und der ERPB eine ideale Grundlage für Innovationen im Zahlungsverkehr, von denen jeder Beteiligte nur profitieren wird. Wir sind der Auffassung, dass IP das Potenzial für innovative und praktische Dienste hat und eine homogene, zunächst nur europaweite, Zahlungsinfrastruktur entwickeln wird. Diese Entwicklung wird Europa gewiss einen internationalen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Insbesondere die Kombination von IP und PSD2 wird vielen FinTechs die Möglichkeit bieten neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und interessante neue Anwendungsfälle mit sich bringen. IP geht weit über den reinen Wechsel von SCT auf SCTinst hinaus. Klassischer Zahlungsverkehr – nur schneller – ist ein kleiner erster Schritt auf dem Weg in eine Welt neuer Dienstleistungen, Produkte und Prozesse. Das Potenzial ist enorm.

 

In Anlehnung an: „The Future Use of Instant Payments – from Infrastructure to Novel Applications“, erschienen im Buch “Digital Payments – Revolution im Zahlungsverkehr”, herausgegeben von Marcus W. Mosen, Prof. Dr. Jürgen Moormann und Dietmar Schmidt, Frankfurt School Verlag, Oktober 2016

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