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SEPA-Update: Gute Noten für die Banken

2014 war für die Banken alles andere als ein einfaches Jahr. Nachdem am 1. Februar der offizielle Startschuss für das SEPA-Verfahren gefallen war, kämpften so manche Geldhäuser mit der Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs. Schon im Vorfeld hatte das Beratungshaus PPI mit den SEPA-Readyness-Indexen gezeigt, dass viele Banken die hohen technischen Anforderungen und den zeitlichen Aufwand der Umstellung unterschätzt hatten. Kein Wunder also, dass sie mit der Einhaltung der Frist Probleme hatten. Die Europäische Union gewährte den Geldhäusern schließlich eine sechsmonatige Übergangsfrist. Innerhalb dieses Zeitraums durften neben dem SEPA-Verfahren auch noch Altformate mit Kontonummern und BLZ für Überweisungen und Lastschriften verwendet werden.

Dieser holprige Start liegt nun fast vier Jahre zurück und das SEPA-Baby hat mittlerweile laufen gelernt. Doch seit dem 19. November 2017 stehen die Banken vor einer neuen Herausforderung. Sie müssen nun die im neuen „2017 SCT Rulebook Version 1.1“. dargelegten SEPA-Änderungen umsetzen.

Für die Geldinstitute bedeutet dies, dass sie erstmals dazu in der Lage sein müssen, eine SEPA-Transaktion gemäß EPC-Rulebook und EPC-Richtlinien zu verarbeiten – ohne Rücksicht auf die „nationalen Dialekte“ der einzelnen SEPA-Länder zu nehmen. Auch wenn das aktuelle SEPA-Update längst nicht so umfangreich wie die ursprüngliche SEPA-Einführung ist, darf nicht vergessen werden, dass es einen wichtigen Beitrag zur Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs im SEPA-Raum leistet.

Welche Aufgaben die Banken im Einzelnen erledigen müssen, lässt sich in Anlage 3 / Version 3.1 des DFÜ-Abkommens nachlesen. So entfallen beispielsweise DTE- und EU-Eilüberweisungen (EUE) und werden auf XML-Eilüberweisungen (CCU) umgestellt. Außerdem werden neue Geschäfts-Vorfallcodes und Mapping-Regeln sowie elektronische Rückrufe eingeführt – um nur einige der Anforderungen zu nennen.

Vor allem die IT ist gefordert

Um einen reibungslosen Zahlungsverkehr gewährleisten zu können, mussten die Banken in erster Linie ihre IT-Systeme unter die Lupe nehmen und anpassen. Auf dem Prüfstand standen interne Verarbeitungssysteme und -regeln sowie technische Prüfroutinen, die bei Bedarf verändert oder neu geschaffen wurden.

Doch trotz optimaler Vorbereitung blieb ein Restrisiko für den Zahlungsverkehr bestehen. Ein Beispiel dafür: Bislang bestanden Zahlungsdateien entweder aus Eil- oder Normalzahlungen und wurden getrennt voneinander verarbeitet. Seit dem 19. November 2017 sind zudem kombinierte Dateien aus beiden Zahlungstypen möglich, da die aktuellen SEPA-Richtlinien auch einen Vermerk der Instruction Priority auf Zahlungsebene ermöglichen. Frankreich nutzt diese Methode schon seit der EBICS-Einführung, während in Deutschland eine Eilzahlung mit Hilfe einer Vorfilterlogik gekennzeichnet wird. Da auf der Transaktionsebene aber weiterhin das URGP-Tag verwendet werden kann, besteht beim Upload in ein Banking-Portal ein Fehlerrisiko. Ist ein Bank-Parser nicht entsprechend justiert, fährt die Zahlung im schlimmsten Fall vor die Wand.

Ein gewisses Pannenpotenzial ergibt sich zudem aus den höheren datentechnischen Anforderungen des neuen Rulebooks. Die Banken müssen bei der Datensatzanalyse ein immer engmaschigeres Netz spannen. Aber selbst dann lassen sich nicht alle Probleme antizipieren und verhindern.

Positive Bilanz

Rückblickend betrachtet haben die Banken die SEPA-Umstellung bislang erfolgreich bewältigt und ihre Kompetenzen erweitert. Heute sind sie besser denn je für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet und agieren deutlich vorausschauender. So haben sie beim aktuellen SEPA-Update schon im Vorfeld miteinkalkuliert, dass auch noch Altformate bearbeitet werden müssen und ihre Kunden rechtzeitig informiert.

Daher erstaunt es kaum, dass bislang nur minimale Störungen zu verzeichnen waren und die Banken das jüngste SEPA-Update als Erfolgsgeschichte verbuchen können. Im Rahmen des Digitalisierungsprozesses warten allerdings schon neue Herausforderungen wie Instant Payments, EBICS 3.0 oder das SEPA Card Framework (SCF) am Horizont. Welche Chancen und Risiken sich daraus für die Banken ergeben, wird Thema der folgenden drei Teile der SEPA-Serie sein.

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