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Was kommt als Nächstes? - Zahlungsverkehr 2025

Diese Großprojekte binden erhebliche Ressourcen. Ihre Bewältigung verstellt bisweilen den Blick auf die Frage: was kommt eigentlich danach? Anders gefragt: Wird - nach der Einführung von SEPA, PSD2 und Instant Payments sowie der Etablierung von mobilen und internetbasierten Bezahlverfahren - der Umbruch des Zahlungsverkehrs abgeschlossen sein, die Ressourcen wieder auf Normalmaß zurückgefahren und, als Nebeneffekt, die Zahl der Konferenzen zum Zahlungsverkehr wieder abnehmen?

Mitnichten. Auch nach 2019 wird es zu signifikanten Veränderungen und Umbrüchen kommen. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die fünf wichtigsten Treiber des sich fortsetzenden Umbruchs. Sie werden im Folgenden kurz dargestellt.

Überblick Treiber des Zahlungsverkehrs bis 2025

Fortschreibung Regulierung

In den kommenden Jahren wird es weniger zu neuen als vielmehr zu einem Update von bestehenden Regulierungen kommen.

Anfang 2018 wird die überarbeitete SEPA-Verordnung veröffentlicht. Nachdem die erste Verordnung die Parameter der SEPA-Bausteine IBAN, XML, Credit Transfer und Direct Debit festlegte, wird sich die überarbeitete Version auf die Beschränkung von Gebühren für den grenzüberschreitenden Nicht-Euro Zahlungsverkehr konzentrieren und ggf. weitere Spielregeln anpassen oder neu einführen.

Weiter überarbeitet werden auch die Regulierungen zu Geldwäsche und Anti-Terrorfinanzierung. Ab 2021 steht die Überarbeitung der PSD2 an. Es ist nicht unwahrscheinlich, das bis 2022 auch das Thema Instant Payments gesetzlich geregelt wird.

Ausbau der Standardisierung

Die Ausbreitung von Standards ist ein wichtiger Baustein bei der Modernisierung des Zahlungsverkehrs. Standards sorgen für ein einheitliches level playing field. Damit werden Anreize für effiziente, moderne und profitable Strukturen geschaffen.

Auf diesem Feld sind insbesondere Fortschritte bei der Ausbreitung des XML-Formats und des EBICS-Standards zu erwarten.

Das Interbankensystem TARGET2 der EZB sowie die Nachrichten von SWIFT werden in den kommenden Jahren auf XML migrieren.

Der Internetkommunikationsstandard EBICS, der ursprünglich aus Deutschland kommt, breitet sich zunehmend in ganz Europa aus. Er bildet eine sichere und kostengünstige Zugangsmöglichkeit zur Verarbeitung von Zahldateien in und zwischen Banken.

Digitalisierung von Produkten und Verfahren

Signifikante Umbrüche und Veränderungen werden wir unter dem Stichwort Digitalisierung erleben.

Mobile und internetbasierte Zahlverfahren werden sich weiter ausbreiten. Auch von Person zu Person wird zunehmend mobil bezahlt werden (P2P Payments).

Besonders interessant wird die Entwicklung im Rahmen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz werden. Zu nennen sind hier neue Möglichkeiten wie sprachgesteuertes Bezahlen (z.B. über Alexa oder Ok Google), Bezahlen von Maschine zu Maschine (z.B. das Auto bezahlt beim Tanken an der Tankstelle) oder die Bearbeitung der Kundenkommunikation durch Chatbots (wie z.B. einfache Reklamationsfälle).

Die Blockchain-Technologie wird sich weiter ausbreiten. Anders als bei ihrem Aufkommen angenommen (Stichwort Bitcoin) wird dies allerdings nicht im Massenzahlungsverkehr sondern im Individualzahlungsverkehr der Fall sein. Für die Abwicklung von Massenzahlungen reicht die Performanz der Technologie noch lange nicht aus. Hingegen kann sie in der Abwicklung von Großbetragszahlungen oder im dokumentären Geschäft zu einer Steigerung der Effizienz führen.

Auch über den Einsatz der Blockchain-Technologie hinaus wird sich der Individualzahlungsverkehr, der per heute vergleichsweise manuellste aller Bereiche, massiv verändern: er wird weiter standardisiert und digitalisiert werden. Der Markt wird nach Alternativen zum Korrespondenzbankgeschäft suchen.

Umbau der Wertschöpfungskette

Neben den oben genannten, eher operativen, Veränderungen wird es auf der Gesamtmarktebene zu strukturellen Umbrüchen bei den Geschäftsmodellen und der Wettbewerbsstruktur kommen.

Instant Payments wird in fünf Jahren ein etabliertes Verfahren sein und auf lange Sicht die Strukturen im Zahlungsverkehr grundlegend verändern. Als bedrohlich kann sich das neue Bezahlverfahren ins-besondere für das Kartengeschäft und teilweise für das Trade Finance Geschäft erweisen. Lässt sich der Einkauf im Supermarkt mittels Instant Credit Transfer in wenigen Sekunden direkt von Käufer- zu Händlerkonto bezahlen, sind die Elemente der Karteninfrastruktur wie z.B. Terminals, Zahlungsgarantie und Schemes grundsätzlich nicht mehr notwendig. Im Trade Finance kann die Ware eines Exporteurs, die in Rumänien vom Importeur abgenommen wurde, innerhalb von Sekunden bezahlt werden.

Die Modularisierung der Wertschöpfungskette wird weiter voranschreiten. Dabei werden sich verschiedene Anbieter in unterschiedlicher Breite und Tiefe auf drei Layer verteilen: Kunden-Frontend (insbesondere Fintechs), Produktmanagement, Infrastruktur und Abwicklung. Parallel wird es gerade bei den FinTechs zu einer Konsolidierung kommen, da nicht jede Geschäftsidee nachhaltig erfolgreich sein wird.

Die Internet- und Einzelhandelsgiganten werden bei diesen Umbrüchen eine erhebliche Rolle spielen, da sie weiter in das Geschäft mit Zahlungsverkehr vordringen werden.

Vor dem oben geschilderten Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass es im Markt schon jetzt zu massiven Veränderungen bei den Marktteilnehmern kommt. Es ist eine erhöhte Aktivität bei Mergers & Acquisitions und bei den Investitionen von Private Equity zu beobachten: Z.B. hat Mastercard das englische Clearinghaus Vocalink übernommen, die deutsche Kreditwirtschaft hat ihre Anteile an Concardis an Private Equity Investoren verkauft und Klarna hat Sofortüberweisung übernommen. Diese Entwicklung wird anhalten.

Auswirkung von Megatrends

Und als sei das Alles noch nicht genug, werden sich auch einige der globalen Megatrends merklich auf den Zahlungsverkehr auswirken. Zu nennen sind insbesondere Cyber Security, Terrorismus, Migration und Alterung.

Die Anforderungen, vor Allem der Regulatoren, im Hinblick auf die Resilienz und Sicherheit der IT-Systeme im Zahlungsverkehr werden weiter steigen. Gleiches gilt für die Abwehr von Terrorfinanzierung. Die Migration wird zu einer deutlichen Zunahme von Geldtransfers in die Heimatländer führen und zu einer steigenden Attraktivität dieses Geschäftsfeldes.

Mit den oben genannten Umbrüchen kommen, allein in Deutschland, für den Bereich Zahlungsverkehr projektbezogene Kosten von bis zu 1 Mrd. Euro für Personal auf die rund 2 000 Kreditinstitut in den nächsten zwei bis drei Jahren zu. Angesichts der vielen Projekte im Zahlungsverkehr droht den Banken ein Personalengpass. Auch wenn der Autor zweifelsohne von diesem Argument profitiert, ist es nicht aus der Welt zu schaffen. Die Alterung der Gesellschaft und der damit verbundene Personal-mangel macht sich auch im Zahlungsverkehr bemerkbar. Wir merken schon, dass Banken

Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal anzuwerben‘‘. Zudem handelt es sich um Expertenthemen, die allgemein nicht unbedingt als ,,sexy‘‘ gelten.

Es ist deshalb zu empfehlen, jetzt die Themen zügig anzugehen, um nicht später Personal teurer einkaufen zu müssen. Es lohnt. Schließlich ist das Konto, um das sich der Zahlungsverkehr dreht, die Hauptschnittstelle, also die wichtigste Verbindung, zum Kunden.

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