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PSD2 - macht was draus

Die PSD2 wurde bereits im Sommer beschlossen und im Vorfeld gab es heftige Diskussionen zwischen den Verbänden und der Politik, aber insbesondere zwischen Banken und Fintechs. Die Frage, die im Raum stand: Nehmen Fintechs den Banken in Zukunft einen Teil der Butter vom Brot? All diese Diskussionen fanden vor dem Beschluss von PSD2 und eher in Fachkreisen statt. Und wie sollte es anders sein: Man tat dies, ohne den echten Kunden zu fragen, wie er es denn gerne hätte. Business as usual. 

Blicken wir zurück: Im November 2017 nimmt sich ein Journalist der BILD dem Thema an und so schafft es die neue Richtline sogar auf die Titelseite der Boulevardzeitung. Ehre, wem Ehre gebührt. „Warum Ihre Kontodaten in höchster Gefahr sind“, war die Headline, die den Leser neugierig machen sollte. Jetzt ist PSD2 in der breiten Bevölkerung angekommen. Die BILD tut endlich was für die Finanzbildung der Deutschen. Dumm nur, wenn der Schreiber selber nur sehr oberflächliches Wissen zu haben scheint. Oder er war einfach nur darauf aus, auf die Titelseite zu kommen. In den Sozialen Medien wird bis heute Angst geschürt. So fragte jüngst jemand einen Experten, ob denn nun Amazon ab sofort völligen Zugriff auf seine Kontodaten hätte und wie er das verhindern könne.

Wir wissen es besser: Er könnte es erlauben! Dies wiederrum ruft die Verbraucherschützer auf den Plan. Wenn Amazon mit einem Anbieter kooperiert, der es Amazon – nur nach Zustimmung –ermöglicht, einen Blick auf das Konto zu werfen, was macht dann Amazon mit den Daten? Die Befürworter von PSD2 sagen dann, dass der Kunde in Zukunft auf ihn zugeschnittene Werbung erhalte oder weniger zahle, wenn nicht so viel Geld auf seinem Konto liegt. Ja, Sie haben richtig gelesen: Amazon wird sozial!

Kritiker sehen nun für den Missbrauch von Daten Tür und Tor geöffnet. Die Maschinen können sich aus Kontodaten so einiges zusammenreimen. Und dann die Daten falsch interpretieren. Anschließend wird dem Kunden eine Lieferung verwehrt oder ein Kredit nicht genehmigt.

All diese Zugänge zu Kontodaten und die Überführung in Kundenservices laufen derzeit im Wesentlichen nicht bei Banken ab. Über Jahre hinweg haben Banken gejammert, dass sie Daten von Kunden nicht nutzen dürfen. Jetzt nutzen andere die Daten (nur nach Zustimmung durch den Kunden). Dabei wären die meisten Kunden bestimmt beruhigter, wenn solche Services von der eigenen Hausbank angeboten würden. Hat der Kunde einen nachweislichen Nutzen, stimmt er in der Regel auch der Nutzung von Daten zu. Vor allem, wenn diese in der Bank bleiben und dort verarbeitet werden.

Die Branche ist jetzt dringend dazu aufgerufen, eben genau diese Services selber zu entwickeln oder einzukaufen. Gerade das Girokonto sollten Banken als Plattform denken auf der eine Vielzahl von Services stattfinden könnten – als Mehrwert für die eigenen Kunden und mit Ertragspotenzial gegen sinkende Erträge im Zinsgeschäft.  

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